Delphi

Delphi-Kurs

1.0 Einleitung

Delphi ist eine Programmiersprache, die auf Borland Pascal aufbaut und das Programmieren von Windows-Anwendungen wesentlich erleichtert. Windows stellt eine Reihe von sogenannten API-Funktionen zur Verfügung, die man nur aufrufen muss, damit ein fertiges Fenster, ein Menü oder ein Schalter erscheint. Borland-Pascal unterstützt ab der Version 7.0 den Aufruf der API-Funktionen. Wegen der vielen Parameter, die bei jedem API-Aufruf übergeben werden müssen, ist die Programmierung jedoch sehr mühsam. Delphi stellt eine grafische Benutzeroberfläche zur Verfügung, mit der Fenster, Buttons, Listboxen usw. entworfen werden können. Damit wird man von der Übergabe vieler Paramter befreit und sieht außerdem sofort, wie das fertige Projekt aussieht.

Die Projektentwicklung mit DELPHI unterscheidet sich wesentlich von Pascalprogrammen, die man üblicherweise von DOS her kennt. Man entwirft zunächst ein Formular (ein Fenster) und fügt verschiedene Komponenten wie Label, Button, Menüs usw. ein. Danach legt man fest, wie diese Komponenten auf Ereignisse reagieren sollen (z. B. Mausklick auf Button).

Dadurch ist der Programmablauf nicht mehr linear sondern ereignisgesteuert. Der Programmierer muss festlegen, wie die Anwendung auf verschiedene Ereignisse (Events) wie z. B. Mausbewegung, Mausklick, Tastendruck usw. reagieren soll.

Derzeit gibt es von Delphi bereits mehrere Versionen: Version 1 für Windows 3.xx, Version 2 usw. für Windows95/98. Mit der Version 2 usw. wird auch immer die Version 1 mitgeliefert, die aber von Borland nicht mehr weiterentwickelt wird. Die Projekte sind aufwärtskompatibel. (Für dieses Anleitung wird bei allen Projekte die Version 1 verwendet, daher sind alle Dateinamen ohne die Dateiergänzung nur 8 Zeichen lang.)

1.1 Das Standardprojekt PROJECT1

Nach dem Start von Delphi erscheint oben eine Menüleiste mit mehreren Schaltern:

Neben Schaltern für das Laden und Speichern von Projekten findet man in der rechten Hälfte die Schalter für die Komponenten, die man in Fenster (oder Formulare) einfügen kann.

Mit dem Objektinspektor legt man die Standardeigenschaften (Größe, Farbe, Beschriftung uws.) der einzelnen Komponenten fest. Befindet sich neben einer Bezeichung ein +-Zeichen (z. B. bei BorderIcons oder Font), kann man durch Doppelklicken weitere Untereigenschaften aufklappen.
Neben den Eigenschaften kann man im Objektinspektor auch festlegen, auf welche Ereignisse eine Komponente reagieren kann.
Weiters erscheint rechts neben dem Objektinspektor auch ein leeres Fenster (ein leeres Formular), das den Titel Form1 hat.

Der nötige Programmcode wurde ebenfalls bereits generiert, sodass man das Programm sofort mit <Strg F9>, über den Menüpunkt Start oder durch Anklicken von ausführen kann.

In Delphi spricht man nicht mehr von Programmen sondern von einem Projekt, das über mehrer Dateien verteilt ist. Es sind dies:

Standardname
Projektdatei PROJECT1.DPR
Einstellungen (Optionen) PROJECT1.DOF (.OPT in Version 1)
Ressourcendatei PROJECT1.RES
Programm-Quellcodedatei UNIT1.PAS
Formulardatei UNIT1.DFM

Die Backup-Dateien haben ~ als letztes Zeichen in der Dateiergänzung

Nach der Übersetzung werden folgende Dateien erzeugt, die man wieder löschen kann, wenn man den Quellcode besitzt:

Ausführbares Programm PROJECT1.EXE
Compilierter Quellcode (Unit) UNIT1.DCU
Die standardmäßig erzeugte Projektdatei mit dem Namen project1.dpr hat in unserem Fall folgenden Inhalt:

program Project1;
 uses
  Forms,
  Unit1 in 'UNIT1.PAS' {Form1};
{$R *.RES}
begin
 Application.Initialize;
 Application.CreateForm(TForm1, Form1);
 Application.Run;
end.

Üblicherweise muss man sich um den Inhalt dieser Datei nicht weiter kümmern, da er von DELPHI automatisch erzeugt und aktualisiert wird. Auch der Inhalt der Optionendatei wird automatisch von DELPHI erzeugt und geändert. In der Ressourcedatei wird das Aussehen des Programmicons gespeichert. Der Inhalt kann z. B. mit einem Resource-Workshop-Programm von Borland-Pascal 7.0 geändert werden.

In der Formulardatei werden Informationen über das Formular (oder Fenster) wie z. B. das Aussehen und die Größe abgespeichert. Der Inhalt dieser Datei wird ebenfalls automatisch von DELPHI verändert, man kann sich ihren Inhalt über das Menü mit "Datei | Datei öffnen" ansehen. Das Standardformular hat folgende Formulardatei:

object
Form1: TForm1
Left = 200
Top = 108
Width = 544
Height = 375
Caption = 'Form1'
Font.Charset = DEFAULT_CHARSET
Font.Color = clWindowText
Font.Height = -11
Font.Name = 'MS Sans Serif'
Font.Style = []
PixelsPerInch = 96
TextHeight = 13
end

 

Was das Programm während der Laufzeit machen soll, wird in die Programm-Quellcodedatei mit dem Standardnamen unit1.pas geschrieben. Zu Beginn hat sie folgenden Inhalt:

unit Unit1;
interface
uses
  Windows, Messages, SysUtils, Classes,
  Graphics, Controls, Forms, Dialogs;
type
  TForm1 = class(TForm)
    private { Private-Deklarationen }
    public { Public-Deklarationen }
  end;
var Form1: TForm1;
implementation
{$R *.DFM}
end.

Vom Aufbau handelt es sich um eine Unit, die von DELPHI bereits automatisch in die Projektdatei eingetragen wurde. Jedes Projekt kann aus mehreren Formularen bestehen. Zu jedem Formular gehört eine Formular- und eine Qellcode-Datei mit dem gleichen Namen. Die Namen der Quellcode-Dateien müssen alle verschieden sein und dürfen auch nicht mit dem Projektnamen übereinstimmen. Wenn das Projekt den Namen project1.dpr hat, darf die Quellcode-Datei nicht ebenfalls project1.pas heißen.

Hier können Sie alle Projektdateien herunterladen: PROJECT1.ZIP (project1.dpr, project1.res, project1.opt, unit1.pas, unit1.dfm)

1. Seite Delphi-Kurs nächstes Kapitel

Letzte Änderung am 04. Juli 2001 E-Mail herwig.reidlinger@pinoe-hl.ac.at.